Electrophysiology CINRE, hospital BORY

Procainamid


Klassifikation:

  • Klasse IA – Natrium(Na⁺)-Kanalblocker
    • Procainamid – wird hauptsächlich bei Patienten mit präexzitiertem Vorhofflimmern (VHF) eingesetzt.
    • Disopyramid – aufgrund seines vagolytischen Effekts geeignet bei vagalem VHF.
Schema der Wirkung von Procainamid als Antiarrhythmikum der Klasse IA mit Darstellung der Reduktion der myokardialen Erregbarkeit, Verlängerung der effektiven Refraktärperiode einer akzessorischen Leitungsbahn und der pharmakologischen Kardioversion des präexzitierten Vorhofflimmerns in den Sinusrhythmus.

Wirkmechanismus:

  • Verlangsamt die Leitungsgeschwindigkeit und reduziert die Erregbarkeit im Vorhof- und Ventrikelmyokard
    • Blockiert Natriumkanäle
  • Verlängert die effektive Refraktärzeit (ERP) im Vorhof- und Ventrikelmyokard
    • Sein Metabolit (NAPA) blockiert Kaliumkanäle (daher zeigt es auch Klasse-III-Eigenschaften)
  • Akzessorische Bahn – verlängert die ERP und verlangsamt die Leitung
  • Use-dependent (Wirkung nimmt bei Herzfrequenz > 90/min. zu)

Effekt bei VHF:

  • Kardioversion eines präexzitierten Vorhofflimmerns (VHF) in den Sinusrhythmus – Wiederherstellung des Sinusrhythmus
Procainamid und Vorhofflimmern (VHF)
Handelsnamen
Procainamid, Pronestyl, Procan, Procanbid, Novocainamid, Novocamid
Indikationen
  • Akute Kardioversion eines präexzitierten VHF in den Sinusrhythmus
Dosierung
  • Akute Kardioversion eines präexzitierten VHF (intravenös)
    • 20–50 mg/min bis zu einer maximalen Gesamtdosis von 17 mg/kg verabreichen
    • Gabe bis zur Konversion in den Sinusrhythmus oder bis eine Gesamtdosis von 1,5 g erreicht ist
  • Erhaltungsinfusion (intravenös)
    • 1–4 mg/min für maximal 12 Stunden
Wirkbeginn
  • < 30 Minuten
Wirkung
Zeit bis zur Konversion in den Sinusrhythmus und Erfolgsrate
  • < 30 Minuten – Erfolgsrate 50–75 % (intravenös)
Wirkdauer
  • 2–4 Stunden (intravenös)
Kontraindikationen
  • AV-Block II. oder III. Grades (ohne Schrittmacher)
  • Verlängertes QTc-Intervall ≥ 500 ms
  • Systemischer Lupus erythematodes
  • Anamnese von Torsades de pointes
  • Myasthenia gravis
  • Schwere Herzinsuffizienz
  • Allergie gegen Procainamid

Patientenüberwachung während der Procainamid-Gabe:

  • Gabe beenden, wenn ein Grund für den Abbruch der Infusion auftritt (siehe Tabelle unten).
Patientenüberwachung während der Procainamid-Gabe
Überwachungszeitraum Zu kontrollieren Grund für Absetzen
Während der Infusion EKG (QRS, QTc-Intervall, Rhythmus)
Blutdruck
Klinischer Zustand (Schwindel, Schwäche)
QRS-Verbreiterung > 25%
QTc > 500 ms
Bradykardie < 40/min
Hypotonie < 90/60 mmHg
Ventrikuläre Arrhythmie
30–120 Minuten nach Gabe EKG (QRS, QTc-Intervall, Rhythmus)
Blutdruck
Klinischer Zustand (Schwindel, Schwäche)
QRS-Verbreiterung > 25%
QTc > 500 ms
Bradykardie < 40/min
Hypotonie < 90/60 mmHg
Ventrikuläre Arrhythmie

Nebenwirkungen:

  • Sehr häufig (>10%):
    • Arzneimittelinduzierter Lupus erythematodes – bis zu 20–30 % (bei langfristiger oraler Anwendung)
  • Häufig (1–10%)
    • Hypotonie
    • Bradykardie
    • QRS-Verbreiterung
    • QT-Intervall-Verlängerung
    • AV-Block
    • Ventrikuläre Arrhythmien (v. a. Extrasystolen)
    • Hämatologische Störungen, z. B. Agranulozytose (bei langfristiger oraler Anwendung)
  • Gelegentlich (< 1%)
    • Flush, Schwindel – aufgrund vorübergehender Hypotonie
    • Übelkeit oder gastrointestinale Beschwerden

Zur pharmakologischen Kardioversion eines präexzitierten VHF können sowohl Procainamid als auch Ibutilid eingesetzt werden.

  • Procainamid wird bevorzugt, Ibutilid ist jedoch ebenfalls eine geeignete Alternative.
Procainamid vs. Ibutilid und Vorhofflimmern
Eigenschaft Procainamid Ibutilid
Klasse IA (Na⁺-Kanalblocker, minimale K⁺-Blockade) III (K⁺-Kanalblocker)
Kardioversion eines präexzitierten VHF Ja – Erstlinientherapie Ja – möglich, aber weniger bevorzugt
Indikation bei VHF Akute Kardioversion eines präexzitierten VHF Akute Kardioversion von VHF oder Vorhofflattern
Erfolgsrate der Konversion in SR 50–75 % (innerhalb von 30 Minuten) ~30–50 % bei VHF, 60–75 % bei Vorhofflattern
Anwendung bei Vorhofflattern Nein Ja
Hauptrisiken Hypotonie, Proarrhythmie (Torsades de pointes), lupusähnliches Syndrom QT-Verlängerung, Torsades de pointes
Typischer Patient Jüngerer Patient mit VHF und WPW (Deltawelle im EKG) Patient mit VHF oder Vorhofflattern ohne WPW, zur dringlichen Konversion


Leitlinienalgorithmus zur akuten Kardioversion bei neu diagnostiziertem präexzitiertem Vorhofflimmern mit Kontraindikation für AV-Knoten-Blocker und Auswahl von Antiarrhythmika nach Ejektionsfraktion.

Diese Leitlinien sind inoffiziell und stellen keine offiziellen Leitlinien dar, die von einer kardiologischen Fachgesellschaft herausgegeben wurden. Sie dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken.

Peter Blahut, MD

Peter Blahut, MD (Twitter(X), LinkedIn, PubMed)