Ablation des Vorhofflimmerns – Prinzip und Methoden
Ablation bedeutet die Entfernung oder Deaktivierung von Gewebe mittels Hitze, Kälte oder einer anderen Energiequelle.
- In der Kardiologie werden drei Methoden zur Ablation von Vorhofflimmern (VHF) und anderen Arrhythmien eingesetzt:
- Radiofrequenzablation – Myokarddestruktion durch Hitze
- Kryoablation – Myokarddestruktion durch Kälte
- Pulsed-Field-Ablation – Myokarddestruktion durch elektrische Impulse
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Ablation des Vorhofflimmerns – Methoden (Basisvergleich)
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| Radiofrequenzablation |
- Prinzip: Die Katheterspitze wird erhitzt (~50 °C).
- Methodik: Läsionen werden Punkt für Punkt um jede Pulmonalvene angelegt.
- Prozedurdauer: 90–180 min.
- Komplikationen: Atrioösophageale Fistel, Phrenikusparese, Pulmonalvenenstenose.
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| Kryoablation |
- Prinzip: Der Katheter besitzt an seiner Spitze einen Ballon, der am Ostium in die Pulmonalvene vorgeschoben wird.
- Methodik: Der Ballon am Ostium jeder Vene wird eingefroren (~ −50 °C).
- Prozedurdauer: ~60 min.
- Komplikationen: Phrenikusparese.
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| Pulsed-Field-Ablation |
- Prinzip: Der Katheter wird am distalen Ende am Ostium der Pulmonalvene zu einer „Kugel-“ oder „Blumen“-Form expandiert.
- Methodik: Elektroden am Katheter applizieren kurze elektrische Impulse (Elektroporation).
- Prozedurdauer: ~60 min.
- Komplikationen: Minimal, praktisch keine.
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VHF-Ablation und Pulmonalvenenisolation
- VHF manifestiert sich initial als paroxysmal und entsteht (90 %) im Bereich der Pulmonalvenenostien, wo Trigger und Substrat in unmittelbarer Nähe lokalisiert sind.
- Elektrische Impulse aus den Pulmonalvenenostien, ausgehend vom aktivierten Substrat, breiten sich in den linken Vorhof aus.
- Initial manifestiert sich dieser Mechanismus klinisch als paroxysmales VHF.
- Nach mehreren Jahren breitet sich das Substrat auf weitere Areale des linken Vorhofs aus (Dach, Hinterwand, Mitralisthmus).
- Dieses erweiterte Substrat manifestiert sich klinisch als persistierendes VHF.
- Die Pulmonalvenenisolation (unabhängig von der verwendeten Methode) isoliert elektrisch sowohl den Trigger als auch das Substrat an den Ostien.
- Daher ist die Pulmonalvenenisolation bei paroxysmalem VHF am effektivsten.
- Wenn das Substrat auch außerhalb der Pulmonalvenenostien vorhanden ist (persistierendes VHF),
- wird eine ausgedehntere Ablation durchgeführt (Dach, Hinterwand, Mitralisthmus, Vena cava superior).
Pulsed-Field-Ablation (Grundprinzip des Verfahrens)
- Über die Leistenregion werden Schleusen in die Vv. femorales eingebracht (2 links, 1 rechts), über die Katheter über die V. cava inferior in den rechten Vorhof vorgeschoben werden:
- Linke Seite: intrakardiale Echokardiographie (ICE), Katheter im Koronarsinus.
- Rechte Seite: transseptale Punktionsnadel.
- Unter ICE-Kontrolle erfolgt die transseptale Punktion durch die Fossa ovalis.
- Anschließend wird der Ablationskatheter durch die Fossa ovalis in den linken Vorhof vorgeschoben.
- Für die Pulsed-Field-Ablation wird ein spezieller Katheter verwendet,
- der im linken Vorhof in einer „Blumen“-Konfiguration mit 5 Splines entfaltet wird,
- jede Spline enthält 4 Elektroden (positiv und negativ).
- Während der Impulsabgabe entsteht zwischen den positiven und negativen Elektroden ein starkes elektrisches Feld,
- das eine Bewegung von Ionen und Elektronen zwischen den Elektroden verursacht.
- Partikel passieren die Membranen der Kardiomyozyten und erzeugen Poren,
- ein Prozess, der als Elektroporation bezeichnet wird und zur Zerstörung des Myokards und des arrhythmogenen Substrats führt.
- Der Katheter wird nacheinander in jede Pulmonalvene positioniert, zunächst in ovaler (Basket-)Konfiguration und anschließend in „Blumen“-Konfiguration.
- In beiden Konfigurationen werden elektrische Impulse appliziert.
- Die Pulsed-Field-Ablation ist kardioselektiv:
- sie induziert eine irreversible Elektroporation der Kardiomyozyten und des arrhythmogenen Substrats,
- umgebende Gewebe (Gefäße, Nerven, Ösophagus) bleiben unbeeinflusst.
| Ablation des Vorhofflimmerns |
Klasse |
| Pulsed-Field-Ablation (nicht Radiofrequenz- oder Kryoablation) wird als bevorzugte Methode der Ablation des Vorhofflimmerns empfohlen. |
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