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Vorhofflimmern: Leitlinien (2026) Kompendium / 14.1 Ablation des Vorhofflimmerns – Prinzip und Methoden

Ablation des Vorhofflimmerns – Prinzip und Methoden


Ablation bedeutet die Entfernung oder Deaktivierung von Gewebe mittels Hitze, Kälte oder einer anderen Energiequelle.

  • In der Kardiologie werden drei Methoden zur Ablation von Vorhofflimmern (VHF) und anderen Arrhythmien eingesetzt:
    • Radiofrequenzablation – Myokarddestruktion durch Hitze
    • Kryoablation – Myokarddestruktion durch Kälte
    • Pulsed-Field-Ablation – Myokarddestruktion durch elektrische Impulse
Schema zum Vergleich der Katheterablationstechniken bei Vorhofflimmern, einschließlich Kryoablation, Radiofrequenzablation und Pulsfeldablation, mit unterschiedlichen Mechanismen der Läsionsbildung im Vorhofmyokard.
Ablation des Vorhofflimmerns – Methoden (Basisvergleich)
Radiofrequenzablation
  • Prinzip: Die Katheterspitze wird erhitzt (~50 °C).
  • Methodik: Läsionen werden Punkt für Punkt um jede Pulmonalvene angelegt.
  • Prozedurdauer: 90–180 min.
  • Komplikationen: Atrioösophageale Fistel, Phrenikusparese, Pulmonalvenenstenose.
Kryoablation
  • Prinzip: Der Katheter besitzt an seiner Spitze einen Ballon, der am Ostium in die Pulmonalvene vorgeschoben wird.
  • Methodik: Der Ballon am Ostium jeder Vene wird eingefroren (~ −50 °C).
  • Prozedurdauer: ~60 min.
  • Komplikationen: Phrenikusparese.
Pulsed-Field-Ablation
  • Prinzip: Der Katheter wird am distalen Ende am Ostium der Pulmonalvene zu einer „Kugel-“ oder „Blumen“-Form expandiert.
  • Methodik: Elektroden am Katheter applizieren kurze elektrische Impulse (Elektroporation).
  • Prozedurdauer: ~60 min.
  • Komplikationen: Minimal, praktisch keine.
Schema zum Vergleich von paroxysmalem und persistierendem Vorhofflimmern mit Darstellung der unterschiedlichen Verteilung arrhythmogener Herde im Vorhofmyokard und der entsprechenden EKG-Befunde.

VHF-Ablation und Pulmonalvenenisolation

  • VHF manifestiert sich initial als paroxysmal und entsteht (90 %) im Bereich der Pulmonalvenenostien, wo Trigger und Substrat in unmittelbarer Nähe lokalisiert sind.
    • Elektrische Impulse aus den Pulmonalvenenostien, ausgehend vom aktivierten Substrat, breiten sich in den linken Vorhof aus.
    • Initial manifestiert sich dieser Mechanismus klinisch als paroxysmales VHF.
  • Nach mehreren Jahren breitet sich das Substrat auf weitere Areale des linken Vorhofs aus (Dach, Hinterwand, Mitralisthmus).
    • Dieses erweiterte Substrat manifestiert sich klinisch als persistierendes VHF.
  • Die Pulmonalvenenisolation (unabhängig von der verwendeten Methode) isoliert elektrisch sowohl den Trigger als auch das Substrat an den Ostien.
    • Daher ist die Pulmonalvenenisolation bei paroxysmalem VHF am effektivsten.
  • Wenn das Substrat auch außerhalb der Pulmonalvenenostien vorhanden ist (persistierendes VHF),
    • wird eine ausgedehntere Ablation durchgeführt (Dach, Hinterwand, Mitralisthmus, Vena cava superior).
Schema des Vorhofflimmerns mit Darstellung der Lokalisation von Triggern und arrhythmogenem Substrat im linken und rechten Vorhof, einschließlich Pulmonalvenenostien, linkem Vorhofohr und posteriorer Wand.

Pulsed-Field-Ablation (Grundprinzip des Verfahrens)

  1. Über die Leistenregion werden Schleusen in die Vv. femorales eingebracht (2 links, 1 rechts), über die Katheter über die V. cava inferior in den rechten Vorhof vorgeschoben werden:
    • Linke Seite: intrakardiale Echokardiographie (ICE), Katheter im Koronarsinus.
    • Rechte Seite: transseptale Punktionsnadel.
  2. Unter ICE-Kontrolle erfolgt die transseptale Punktion durch die Fossa ovalis.
  3. Anschließend wird der Ablationskatheter durch die Fossa ovalis in den linken Vorhof vorgeschoben.
  4. Schema des Ablationskatheters bei der Ablation von Vorhofflimmern mit Darstellung der Korb- und Blumenposition des Katheters zur Isolation der Pulmonalvenen.
  5. Für die Pulsed-Field-Ablation wird ein spezieller Katheter verwendet,
    • der im linken Vorhof in einer „Blumen“-Konfiguration mit 5 Splines entfaltet wird,
    • jede Spline enthält 4 Elektroden (positiv und negativ).
    • Während der Impulsabgabe entsteht zwischen den positiven und negativen Elektroden ein starkes elektrisches Feld,
      • das eine Bewegung von Ionen und Elektronen zwischen den Elektroden verursacht.
    • Partikel passieren die Membranen der Kardiomyozyten und erzeugen Poren,
      • ein Prozess, der als Elektroporation bezeichnet wird und zur Zerstörung des Myokards und des arrhythmogenen Substrats führt.
    Schema der Ablation von Vorhofflimmern mit Darstellung der Isolation der linken oberen Pulmonalvene und Positionierung des Ablationskatheters in Korb- und Blumenposition.
  6. Der Katheter wird nacheinander in jede Pulmonalvene positioniert, zunächst in ovaler (Basket-)Konfiguration und anschließend in „Blumen“-Konfiguration.
    • In beiden Konfigurationen werden elektrische Impulse appliziert.
  7. Die Pulsed-Field-Ablation ist kardioselektiv:
    • sie induziert eine irreversible Elektroporation der Kardiomyozyten und des arrhythmogenen Substrats,
    • umgebende Gewebe (Gefäße, Nerven, Ösophagus) bleiben unbeeinflusst.
Ablation des Vorhofflimmerns Klasse
Pulsed-Field-Ablation (nicht Radiofrequenz- oder Kryoablation) wird als bevorzugte Methode der Ablation des Vorhofflimmerns empfohlen. I

Diese Leitlinien sind inoffiziell und stellen keine offiziellen Leitlinien dar, die von einer kardiologischen Fachgesellschaft herausgegeben wurden. Sie dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken.

Peter Blahut, MD

Peter Blahut, MD (Twitter(X), LinkedIn, PubMed)