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Vorhofflimmern: Leitlinien (2026) Kompendium / 4.4 Untersuchungen bei einem Patienten mit Vorhofflimmern

Untersuchungen bei einem Patienten mit Vorhofflimmern


Jeder Patient mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern (VHF) muss umfassend untersucht werden, um

  • Komorbiditäten zu diagnostizieren und
  • Risikofaktoren zu identifizieren.

Eine der Hauptsäulen der VHF-Therapie ist die Behandlung von Komorbiditäten und Risikofaktoren. Das umfassende VHF-Management folgt dem SKC-Algorithmus:

  • S (Stroke) – Schlaganfallprävention
  • K (Keep the Sinus rhythm) – Erhalt des Sinusrhythmus
  • C (Comorbidities and Risk factors) – Management von Komorbiditäten und Risikofaktoren

Neu diagnostiziertes VHF kann spontan auftreten oder durch einen Trigger ausgelöst werden. Dieser Trigger kann auch künftig VHF-Episoden auslösen. Ein Trigger kann sein:

  • Ein Risikofaktor:
    • Alkoholexzess, ausgeprägter Stress, Energydrinks, Kaffee etc.
  • Eine unbehandelte oder unzureichend behandelte Komorbidität:
    • Hyperthyreose, Anämie, arterielle Hypertonie, Adipositas, Herzinsuffizienz, Entzündung etc.
Infografik zur Darstellung der Basisdiagnostik bei neu diagnostiziertem Vorhofflimmern, einschließlich EKG, Laboruntersuchungen, Echokardiographie und Belastungsuntersuchung.
Untersuchungen bei einem Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern Klasse

Bei jedem Patienten mit neu diagnostiziertem VHF werden folgende Untersuchungen empfohlen:

  • Blutdruckmessung
  • Bestimmung des BMI
  • Laboruntersuchungen
  • 12-Kanal-EKG
  • Transthorakale Echokardiographie
  • Belastungsuntersuchung oder CT-Koronarangiographie
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Eine umfassende Evaluation bei neu diagnostiziertem VHF ist essenziell, da die Symptome des Patienten nicht zwingend durch VHF bedingt sein müssen. Beispielsweise kann ein Patient VHF und Dyspnoe aufweisen, wobei die Dyspnoe durch eine Anämie und nicht durch VHF verursacht sein kann.

Hämodynamisch instabiles neu diagnostiziertes VHF erfordert eine sofortige Therapie und häufig eine stationäre Aufnahme.

Die folgende Tabelle fasst die Basisuntersuchungen bei einem Patienten mit neu diagnostiziertem VHF zusammen.

Basisuntersuchungen bei neu diagnostiziertem Vorhofflimmern
12-Kanal-EKG Bei VHF mit Fokus auf:
  • Ventrikelfrequenz
Im Sinusrhythmus mit Fokus auf:
  • Linksventrikuläre Hypertrophie (Sokolow-Index)
  • Linksatriale Vergrößerung (P mitrale)
Laboruntersuchungen Laboruntersuchungen mit Fokus auf:
  • Anämie (Hämoglobin)
  • Entzündung (CRP)
  • Blutbild
  • Nierenerkrankung (Harnstoff, Kreatinin)
  • Lebererkrankung (ALT, AST, GMT, ALP, Bilirubin, Albumin)
  • Diabetes mellitus (Nüchternglukose, HbA1c)
  • Schilddrüsenerkrankung (fT4, TSH)
  • Elektrolyte (K, Na, Mg, Ca, P)
  • Gerinnung (INR, Quick)
  • Herzinsuffizienz (NT-proBNP)
  • Thromboembolie (D-Dimer)
  • Thrombophile Diathese (bei Verdacht)
Transthorakale Echokardiographie (TTE) TTE mit Fokus auf:
  • Ejektionsfraktion
  • Größe des linken Vorhofs
  • Mitralklappenstenose
  • Linksventrikuläre Hypertrophie
  • Linksatrialer Thrombus
  • Dilatative Kardiomyopathie
  • Amyloidose
Belastungsuntersuchung (Belastungs-EKG) Mit Fokus auf:
  • Koronare Herzkrankheit
CT-Koronarangiographie Mit Fokus auf:
  • Koronare Herzkrankheit

Bei spezifischer Indikation im Rahmen von VHF werden folgende erweiterte Untersuchungen durchgeführt.

Erweiterte Untersuchungen bei Vorhofflimmern
Transösophageale Echokardiographie (TEE) Mit Fokus auf:
  • Spontankontrast im linken Vorhof
  • Entleerungsgeschwindigkeit des linken Vorhofohrs
  • Linksatrialer Thrombus
Selektive Koronarangiographie Mit Fokus auf:
  • Koronare Herzkrankheit
Percutane Koronarintervention (PCI) Bei gesicherter koronarer Herzkrankheit mit Indikation zur PCI.
Kardiale MRT Mit Fokus auf:
  • Amyloidose
CT des Gehirns (Angiographie) Mit Fokus auf:
  • Transitorische ischämische Attacke (TIA)
  • Ischämischer Schlaganfall
MRT des Gehirns Mit Fokus auf:
  • Chronische ischämische Veränderungen
  • Mikroblutungen
  • Lakunäre Infarkte
  • Zerebrale Atrophie
  • Stumme Infarkte

Diese Leitlinien sind inoffiziell und stellen keine offiziellen Leitlinien dar, die von einer kardiologischen Fachgesellschaft herausgegeben wurden. Sie dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken.

Peter Blahut, MD

Peter Blahut, MD (Twitter(X), LinkedIn, PubMed)