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Vorhofflimmern: Leitlinien (2026) Kompendium / 10.2 ESUS und Vorhofflimmern

ESUS und Vorhofflimmern


ESUS (Embolic Stroke of Undetermined Source) ist ein kryptogener embolischer Schlaganfall.

Die Gesamtprävalenz des ischämischen Schlaganfalls beträgt 2–3 % (> 7 % in der Bevölkerung > 65 Jahre).

Gemäß CT- oder MRT-Bildgebung kann der ischämische Schlaganfall klassifiziert werden als:

  • Lakunär
    • Kleine subkortikale Läsion < 15 mm (im CT) oder < 20 mm (im MRT)
    • Verursacht durch Erkrankung kleiner intrazerebraler Arteriolen, vor allem arterielle Hypertonie und Diabetes mellitus.
  • Nicht-lakunär
    • Große subkortikale und kortikale Läsion > 15 mm (im CT) oder > 20 mm (im MRT).
    • Hauptsächlich verursacht durch Embolisation bei Vorhofflimmern (VHF) oder Ruptur einer atherosklerotischen Plaque.
Infografik zur Darstellung des ESUS-Konzepts beim ischämischen Schlaganfall mit Hervorhebung des Anteils kryptogener Ereignisse und des Zusammenhangs mit stummer Vorhofflimmern als möglicher kardioembolischer Quelle.

Der kryptogene Schlaganfall ist ein Sammelbegriff für jeden ischämischen Schlaganfall (embolisch oder nicht-embolisch) ohne diagnostizierte Ursache. Sobald eine Ursache identifiziert wird, z. B. Vorhofflimmern (VHF), wird der kryptogene Schlaganfall als kardioembolischer Schlaganfall bei VHF reklassifiziert.

Kryptogene Schlaganfälle machen 35 % aller ischämischen Schlaganfälle aus.

Kryptogene Schlaganfälle können embolisch oder nicht-embolisch sein. Der Begriff ESUS wird zur Bezeichnung eines kryptogenen embolischen ischämischen Schlaganfalls verwendet.

  • ESUS ist ein kryptogener embolischer Schlaganfall unbestimmter Quelle.

ESUS (Embolic Stroke of Undetermined Source)

  • 30 % der ESUS-Fälle sind auf stilles VHF (nicht diagnostiziert, asymptomatisch) zurückzuführen
  • Es handelt sich um einen kryptogenen Schlaganfall, der die folgenden Kriterien erfüllt:
    • Nicht-lakunäre Läsion (kortikal oder kortiko-subkortikal)
    • Keine relevante Stenose (> 50 %) der Arterie, die das ischämische Areal versorgt
    • Keine diagnostizierte kardioembolische Quelle:
      • Vorhofflimmern
      • Vorhofflattern
      • Intrakardiale Thromben
      • Klappenprothese (Klappenthrombose)
      • Herztumor
      • Mitralstenose (mittelgradig oder hochgradig)
      • Myokardinfarkt (innerhalb des letzten 1 Monats)
      • Endokarditis
    • Keine andere diagnostizierte kardioembolische Ursache:
      • Vaskulitis, arterielle Dissektion, Migräne/Vasospasmus, Drogenabusus usw.
ESUS (Embolic Stroke of Undetermined Source) – Ursachen
Vorhofflimmern (macht 30 % der ESUS aus)
Vorhofflattern
Intrakardiale Thromben
Klappenprothese (Klappenthrombose)
Herztumor
Mitralstenose (mittelgradig, hochgradig)
Myokardinfarkt (innerhalb des letzten 1 Monats)
Endokarditis

ESUS macht aus

  • 17 % aller ischämischen Schlaganfälle und
  • 50 % aller kryptogenen Schlaganfälle

Das jährliche Rezidivrisiko nach ESUS beträgt 4,5 %.

Kryptogener Schlaganfall vs. ESUS (Embolic Stroke of Undetermined Source)
Merkmal Kryptogener Schlaganfall ESUS
Art des ischämischen Schlaganfalls Lakunär, nicht-lakunär Nicht-lakunär
Ätiologie Embolisch, nicht-embolisch Embolisch
Arterielle Stenose (versorgend für die ischämische Läsion) Nicht spezifiziert < 50 % in der betroffenen Arterie
Kardioembolische Quelle Möglich Hochwahrscheinlich (am häufigsten stilles Vorhofflimmern)
Praktische Anwendung Allgemeinbegriff für ischämischen Schlaganfall unklarer Ursache Rasche Identifikation von Patienten mit Verdacht auf stilles Vorhofflimmern

Sobald bei einem Patienten mit ESUS VHF diagnostiziert wird, wird ESUS als kardioembolischer Schlaganfall bei VHF reklassifiziert.

Screening auf Vorhofflimmern bei Patienten nach ESUS (Embolic Stroke of Undetermined Source) Klasse
Die Implantation eines Loop-Recorders wird empfohlen. I
Bei Symptomen (spezifisch oder unspezifisch) wird eine sofortige EKG-Ableitung mithilfe eines Smart Devices mit EKG-Funktion (EKG-Uhr, Blutdruckmessgerät mit EKG, EKG-Karte) empfohlen. I
Ein Langzeit-EKG (Holter) kann erwogen werden: 24 Stunden oder 7 Tage (bevorzugt). IIa
Antikoagulation und ESUS (Embolic Stroke of Undetermined Source) Klasse
Eine Antikoagulation wird bei Patienten nach ESUS ohne dokumentiertes VHF nicht empfohlen. III

Diese Leitlinien sind inoffiziell und stellen keine offiziellen Leitlinien dar, die von einer kardiologischen Fachgesellschaft herausgegeben wurden. Sie dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken.

Peter Blahut, MD

Peter Blahut, MD (Twitter(X), LinkedIn, PubMed)