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Vorhofflimmern: Leitlinien (2026) Kompendium / 2.1 Atriale Kardiomyopathie

Atriale Kardiomyopathie


Die atriale Kardiomyopathie (ACMP) ist eine strukturelle, elektrische oder kontraktile Störung der Vorhöfe, die zu einer klinischen Manifestation führen kann. Die ACMP kann sich manifestieren als:

  • Vorhofflimmern (VHF) – am häufigsten
  • Vorhofextrasystolen
  • Vorhoftachykardie
  • Thromboembolie

Die ACMP schafft das Substrat (Trigger und Substrat) für Vorhofflimmern (VHF):

  • Der Trigger manifestiert sich als atriale Arrhythmien (Extrasystolen, Salven, kurze Episoden einer Vorhoftachykardie). Der Trigger kann eine Episode von VHF auslösen, wenn ein entsprechendes Substrat vorhanden ist.
  • Das Substrat manifestiert sich als durch einen Trigger ausgelöste Episode von VHF.
Atriale Kardiomyopathie
Die atriale Kardiomyopathie (ACMP) ist eine strukturelle, elektrische oder kontraktile Störung der Vorhöfe, die zu einer klinischen Manifestation führen kann. Die ACMP manifestiert sich am häufigsten als Vorhofflimmern.

Die ACMP entwickelt sich infolge von Risikofaktoren: Alter, arterielle Hypertonie, Adipositas, Herzinsuffizienz, Alkoholkonsum, VHF.

  • Selten kann sie genetisch bedingt sein.

Tritt VHF bei jungen Personen (<45 Jahre) ohne Risikofaktoren und ohne strukturelle Herzerkrankung auf, entwickelte sich das Substrat für VHF mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund einer genetisch bedingten ACMP.

Eine ACMP findet sich bei

  • 90 % der Patientinnen und Patienten mit VHF
  • 30–40 % der Patientinnen und Patienten mit kryptogenem Schlaganfall
  • 5–10 % der Bevölkerung im Alter >65 Jahre

Die ACMP weist 3 Stadien auf

  1. Subklinische ACMP
  2. Klinische ACMP
  3. Fortgeschrittene ACMP
Illustration zum Vergleich der atrialen Kardiomyopathie mit gesunden Vorhöfen, die strukturelle und gewebliche Vorhofveränderungen im Zusammenhang mit Vorhofflimmern darstellt.
Atriale Kardiomyopathie und Vorhofflimmern
Stadium der ACMP Vorhofveränderungen (strukturell, mechanisch, elektrisch) Klinische Manifestation der ACMP
1. Subklinische ACMP
  • Minimale strukturelle Vorhofveränderungen (CMR)
  • Leicht reduzierte atriale elektrische Aktivität (EPS)
  • Normale Vorhofgröße (TTE, CMR)
  • Keine klinische Manifestation
2. Klinische ACMP
  • Ausgeprägtere strukturelle Vorhofveränderungen (CMR)
  • Reduzierte atriale elektrische Aktivität (EPS)
  • Vorhöfe können vergrößert sein (TTE, CMR)
  • EKG-Zeichen einer ACMP
  • Vorhofextrasystolen
  • Paroxysmales VHF
  • Vorhoftachykardie
  • Vorhofflattern
3. Fortgeschrittene ACMP
  • Deutlich reduzierte LA-EF <35 % (TEE, CMR)
  • LAA-Entleerungsgeschwindigkeit <20 cm/s (TEE)
  • Vergrößerter linker Vorhof >5 cm (TTE)
  • EKG-Zeichen einer ACMP
  • Persistierendes VHF
  • Permanentes VHF

Die Untersuchungen, welche die jeweilige pathologische Vorhofveränderung nachweisen, sind in Klammern angegeben.
ACMP – Atriale Kardiomyopathie, CMR – Kardiale Magnetresonanztomographie, EPS – Elektrophysiologische Untersuchung, TTE – Transthorakale Echokardiographie, EKG – Elektrokardiographie, EF – Ejektionsfraktion, TEE – Transösophageale Echokardiographie, LA – Linker Vorhof, VHF – Vorhofflimmern, LAA – Linkes Vorhofohr

Schema der atrialen Kardiomyopathie mit Darstellung typischer EKG-Merkmale, einschließlich tiefer terminal negativer P-Welle in V1, verlängerter P-Wellen-Dauer über 120 ms und biphasischer P-Wellen in den Ableitungen II, III und aVF.

EKG-Veränderungen bei klinischer oder fortgeschrittener ACMP (im Sinusrhythmus):

  • Tiefe terminal negative P-Welle (V1)
  • P-Wellendauer >120 ms
  • Biphasische P-Welle (II, III, aVF) – bedingt durch intraatrialen Block oder Bachmann-Bündel-Block

Diese Leitlinien sind inoffiziell und stellen keine offiziellen Leitlinien dar, die von einer kardiologischen Fachgesellschaft herausgegeben wurden. Sie dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken.

Peter Blahut, MD

Peter Blahut, MD (Twitter(X), LinkedIn, PubMed)