Electrophysiology CINRE, hospital BORY
Vorhofflimmern: Leitlinien (2026) Kompendium / 9.9 Ältere Patienten und Vorhofflimmern

Ältere Patienten und Vorhofflimmern


Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl der Diagnosen zu, und die Patienten werden polymorbid und gebrechlich.

  • Polymorbidität ist definiert als das Vorliegen von ≥ 3 chronischen Diagnosen (oder Zuständen nach einer schweren Erkrankung), zum Beispiel:
    • Arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, onkologische Erkrankung, Herzinsuffizienz, periphere arterielle Verschlusskrankheit,
    • chronische Nierenerkrankung, rheumatoide Arthritis, chronisch obstruktive Lungenerkrankung,
    • Myokardinfarkt, Schlaganfall
  • Gebrechlichkeit (Frailty) ist eine reduzierte körperliche, psychische und funktionelle Reserve des Organismus.
    • In der klinischen Praxis bedeutet dies, dass der Patient jede Erkrankung oder belastende Situation schlechter toleriert.
    • Bei kardiovaskulären Erkrankungen wird sie mithilfe der Clinical Frailty Scale beurteilt.

Prävalenz von Polymorbidität und Gebrechlichkeit in der Bevölkerung:

  • 10% im Alter > 65 Jahre
  • 20% im Alter > 80 Jahre
Abbildung, die ältere Patienten als Hochrisikogruppe für Vorhofflimmern mit dokumentierter EKG-Aufzeichnung der Arrhythmie darstellt.

Die Prävalenz von Vorhofflimmern (VHF) bei polymorbiden und gebrechlichen Patienten beträgt 50–75%.

Die pharmakologische Therapie bei älteren Patienten > 75 Jahre ist herausfordernd, da Patienten aufgrund kognitiver Dysfunktion Medikamente möglicherweise nicht in korrekter Dosierung einnehmen, wodurch das Risiko einer Über- oder Unterdosierung entsteht. Bei der Antikoagulationstherapie bei VHF kann dies zu Blutungen oder thromboembolischen Ereignissen führen, am häufigsten Schlaganfall.

Bei Patienten mit kognitiver Dysfunktion sollte die häusliche Therapie unter Aufsicht von Angehörigen oder einer Betreuungsperson erfolgen.

Ältere Patienten und Vorhofflimmern Klasse
Bei älteren Patienten (>65 Jahre) mit kognitiver Dysfunktion sollte die pharmakologische Therapie unter Aufsicht von Angehörigen oder einer Betreuungsperson erfolgen. I

Diese Leitlinien sind inoffiziell und stellen keine offiziellen Leitlinien dar, die von einer kardiologischen Fachgesellschaft herausgegeben wurden. Sie dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken.

Peter Blahut, MD

Peter Blahut, MD (Twitter(X), LinkedIn, PubMed)