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Vorhofflimmern: Leitlinien (2026) Kompendium / 9.5 Postoperatives Vorhofflimmern

Postoperatives Vorhofflimmern


Postoperatives Vorhofflimmern (VHF) ist ein neu aufgetretenes VHF innerhalb von 48 Stunden nach einer Operation.

  • Der Patient hatte vor der Operation kein diagnostiziertes VHF.
  • Es handelt sich um getriggertes VHF, da ein klarer Auslöser vorliegt.

Das Risiko für postoperatives VHF beträgt:

  • 30–60 % nach kardiochirurgischen Eingriffen.
  • 5–30 % nach großen nicht-kardiochirurgischen Eingriffen.

Zur Prävention von postoperativem VHF wird das Absetzen von Betablockern vor der Operation nicht empfohlen.

Zur Prävention von postoperativem VHF kann die präoperative Gabe eines Betablockers oder von Amiodaron erwogen werden.

Illustration eines postoperativen Vorhofflimmerns nach einem chirurgischen Eingriff mit dokumentiertem EKG-Nachweis der Arrhythmie.
Prävention von postoperativem Vorhofflimmern
Zeitpunkt Medikament und Dosis Postoperative Therapie
1 Tag vor der Operation Metoprololtartrat
25 – 50 mg oral zweimal täglich
Für 5 Tage fortführen
1 – 6 Stunden vor der Operation Amiodaron
300 mg intravenös
200 mg oral dreimal täglich für 5 Tage,
dann 200 mg oral einmal täglich für 5 Tage,
dann Therapie beenden

Amiodaron wird nicht routinemäßig zur Prävention von postoperativem VHF nach kardiochirurgischen Eingriffen verabreicht,

  • sondern nur bei Hochrisikopatienten mit erhöhtem Risiko für postoperatives VHF nach kardiochirurgischen Eingriffen.
Erhöhtes Risiko für postoperatives Vorhofflimmern nach kardiochirurgischen Eingriffen
Alter >65–70 Jahre
Vergrößerter linker Vorhof (>40 mm oder LAVI >34 ml/m2)
Vorbestehendes Vorhofflimmern
Linksventrikuläre Dysfunktion (EF <50%)
Vorangegangene kardiochirurgische Operation
Komplexe oder lang andauernde kardiochirurgische Eingriffe
  • Kombinierte Eingriffe (CABG + AVR, CABG + MVR, Mehrklappenchirurgie)
  • Größere Klappenoperationen (insbesondere Mitral-, Trikuspidalklappe, Re-Operation)
  • Eingriffe an der Aortenwurzel oder der Aorta ascendens (Bentall, David, Dissektionen)
  • Redo-Operationen (erneute Sternotomie)
  • Eingriffe mit verlängerter EKZ-/Klemmzeit (>120 min EKZ, >90 min Aortenklemmzeit)

LAVI – linksatrialer Volumenindex. EF – Ejektionsfraktion. CABG – Koronararterien-Bypass-Operation. AVR – Aortenklappenersatz. MVR – Mitralklappenersatz. EKZ – extrakorporale Zirkulation (Herz-Lungen-Maschine).

Eine langfristige Antikoagulation nach postoperativem VHF nach kardiochirurgischen Eingriffen ist unklar:

  • da jeder kardiochirurgische Eingriff als starker und klarer VHF-Trigger gilt.
  • Der Hauptauslöser ist meist ein Perikarderguss.

Zur Prävention von postoperativem VHF nach kardiochirurgischen Eingriffen wird eine links-posteriore Perikardiotomie empfohlen.

  • Sie reduziert die Inzidenz von postoperativem VHF um 47 %.

Links-posteriore Perikardiotomie:

  • Nach kardiochirurgischem Eingriff wird eine 2–3 cm lange Inzision/Öffnung (Perikardiotomie) an der linken posterioren Seite des Herzens angelegt.
  • Die Öffnung dient der Drainage eines Perikardergusses in die linke Pleurahöhle.
  • Dadurch werden Perikarderguss und Tamponade verhindert und zugleich VHF vorgebeugt.
Postoperatives Vorhofflimmern Klasse
Amiodaron wird zur Prävention von postoperativem VHF nach kardiochirurgischen Eingriffen bei Patienten mit erhöhtem Risiko empfohlen. I
Eine posteriore Perikardiotomie sollte zur Prävention von postoperativem VHF nach kardiochirurgischen Eingriffen erwogen werden. IIa
Eine Antikoagulation sollte bei neu aufgetretenem postoperativem VHF entsprechend dem CHA2DS2-VA-Score erwogen werden. IIa
Die präoperative Gabe von Betablockern zur Prävention von postoperativem VHF (nicht-kardiochirurgisch) wird nicht empfohlen. III

Wenn ein Patient nach kardiochirurgischem Eingriff ein postoperatives VHF entwickelt (ohne Prämedikation mit Amiodaron),

  • dann wird zur pharmakologischen Kardioversion unmittelbar nach der Operation Amiodaron empfohlen:
    • 300 mg intravenöser Bolus, dann
    • 1 200 mg/24 Stunden als Infusion, dann
    • 200 mg oral einmal täglich für 5 Tage.

Diese Leitlinien sind inoffiziell und stellen keine offiziellen Leitlinien dar, die von einer kardiologischen Fachgesellschaft herausgegeben wurden. Sie dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken.

Peter Blahut, MD

Peter Blahut, MD (Twitter(X), LinkedIn, PubMed)