Die pharmakologische (intravenöse) Kardioversion wird zur akuten Kardioversion bei Vorhofflimmern (VHF) eingesetzt.
Indikationen für die pharmakologische (intravenöse) Kardioversion bei VHF:
Vor pharmakologischer (intravenöser) Kardioversion muss ein Thrombus im linken Vorhof ausgeschlossen werden:
Bei einer erstmaligen VHF-Episode mit einer Dauer von <24 Stunden kann eine Kardioversion auch ohne Thrombusausschluss erwogen werden.
Kontraindikationen
Relative Kontraindikationen
Für die (intravenöse) Kardioversion bei VHF eingesetzte Antiarrhythmika:
| Antiarrhythmika zur Kardioversion bei Vorhofflimmern (intravenös) | ||||
|---|---|---|---|---|
| Antiarrhythmikum | Klasse | Zeit bis zur Konversion | Erfolgsrate | Typischer Patient |
| Propafenon | IC | < 6 h | 43–89 % | Patient ohne strukturelle Herzerkrankung |
| Flecainid | IC | < 6 h | 52–95 % | Patient ohne strukturelle Herzerkrankung |
| Amiodaron | III | 6–8 h | 44–80 % | Patient mit struktureller Herzerkrankung / HFrEF |
| Vernakalant | III | < 10 min | 50–70 % | VHF mit kürzlichem Beginn (< 7 Tage) |
| Ibutilid | III |
30–90 min (VHF) < 60 min (Vorhofflattern) |
30–50 % (VHF) 60–75 % (Vorhofflattern) |
VHF oder Vorhofflattern, einschließlich präexzitiertem VHF |
| Procainamid | IA | < 30 min | 50–75 % | VHF bei Präexzitation |
Antiarrhythmika der Klasse IC und 1:1-übergeleitetes Vorhofflattern
| Prävention eines 1:1-übergeleiteten Vorhofflatterns vor Klasse-IC-Gabe (Propafenon, Flecainid) | |||
|---|---|---|---|
| Medikament | Applikationsweg | Dosis | Zeitpunkt vor Klasse IC |
| Metoprolol | oral | 25 mg | 30 min vor Klasse-IC-Gabe |
| Metoprolol | intravenös | 5 mg über 1–2 Minuten verabreicht | 20 min vor Klasse-IC-Gabe |
| Verapamil | oral | 80 mg | 30 min vor Klasse-IC-Gabe |
| Verapamil | intravenös | 5 mg über 1–2 Minuten verabreicht | 5 min vor Klasse-IC-Gabe |
| Diltiazem | oral | 60 mg | 30 min vor Klasse-IC-Gabe |
| Diltiazem | intravenös | 15 mg über 1–2 Minuten verabreicht | 5 min vor Klasse-IC-Gabe |
Bei präexzitiertem VHF werden Antiarrhythmika empfohlen, die die effektive Refraktärzeit (ERP) der akzessorischen Bahn verlängern:
Bei präexzitiertem VHF sind Antiarrhythmika, die die AV-Knotenleitung verlangsamen, kontraindiziert.
| Kontraindizierte Antiarrhythmika – präexzitiertes Vorhofflimmern | ||
|---|---|---|
| Medikament | Klasse | Grund der Kontraindikation |
| Verapamil, Diltiazem | IV (Ca2+-Kanalblocker) | Verlangsamen nur den AV-Knoten → Zunahme der Überleitung über die akzessorische Bahn |
| Betablocker | II | Verlangsamen den AV-Knoten → Risiko einer raschen 1:1-Überleitung über die akzessorische Bahn |
| Digoxin | Positiv inotrop, AV-knotenblockierend | Erhöht den Parasympathikotonus → AV-Knotenverlangsamung, bevorzugte Überleitung über die akzessorische Bahn |
| Adenosin | AV-knotenblockierend | Blockiert den AV-Knoten → ermöglicht rasche Impulsüberleitung über die akzessorische Bahn |
| Amiodaron (intravenös) | III | Unvorhersehbarer Effekt auf die akzessorische Bahn, Risiko einer beschleunigten Überleitung |
Der Erhalt des Sinusrhythmus (SR) nach Kardioversion trotz antiarrhythmischer Therapie ist individuell.
Atropin-Dosierung bei Bradykardie nach VHF-Kardioversion:
| Pharmakologische (intravenöse) Kardioversion bei Vorhofflimmern | Klasse |
|---|---|
Ein Thrombus im linken Vorhof gilt als ausgeschlossen, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:
|
I |
| Flecainid oder Propafenon (intravenös) werden zur pharmakologischen Kardioversion bei Vorhofflimmern bei Patienten ohne strukturelle Herzerkrankung empfohlen. | I |
| Vor Gabe von Antiarrhythmika der Klasse IC (Flecainid, Propafenon) sollen AV-knotenblockierende Medikamente (Betablocker, Verapamil, Diltiazem) verabreicht werden, um ein 1:1-übergeleitetes Vorhofflattern zu verhindern. | IIa |
| Vernakalant (intravenös) wird zur pharmakologischen Kardioversion bei Vorhofflimmern bei Patienten mit EF >40% empfohlen, ohne Myokardinfarkt innerhalb der letzten 30 Tage und ohne schwere Aortenstenose. | I |
| Amiodaron (intravenös) wird zur pharmakologischen Kardioversion bei Vorhofflimmern bei Patienten mit struktureller Herzerkrankung empfohlen. | I |
Eine pharmakologische Kardioversion wird nicht empfohlen bei Patienten (ohne Schrittmacher) mit:
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III |
Bei präexzitiertem VHF sind kontraindiziert:
|
III |
Diese Leitlinien sind inoffiziell und stellen keine offiziellen Leitlinien dar, die von einer kardiologischen Fachgesellschaft herausgegeben wurden. Sie dienen ausschließlich zu Bildungs- und Informationszwecken.